i be gan.

Folge stets dem Elefanten.

Heute, im Zuge valganscher Projektrecherche (hui!), fand ich nach langer Suche in einem altem Forum ein sehr dialektlastiges Posting meinerseits aus 2004 (!): eine Auflistung all jener Dinge, die die Eltern so zur Tochter sagen.

Das hier ist für all jene, die nach “südtirolerisch” googlen, hierher verwiesen werden – und dann nichts finden.
(psst! Südtiroler Dialekt Wörterbuch! weitersagen!)

(nach dem Klick, denn die Wurst ist ein bisschen hässlich.)

“Wer nit mog, hot kopp…” –> “Wer nicht mag, hat gehabt”
(Mein Vater, wenn eines der Kinder nicht auf die Aufforderung von seiten der Mutter/der Oma reagiert: “Mogsch nix?”)

“Hot dr s Essen nit gschmeckt??” –> “Hat dir das Essen nicht geschmeckt??”
(Wenn man sein Teller nicht ganz ratzeputz leer fegt oder sich der zweiten Beilage verweigert… den Unterton kennt ihr…)

“Kannsch nit uanmol, uan uanzigs mol still sein?” –> “Könntest du nicht einmal, ein einziges Mal still sein?”
(Lange, lange Zeit der Standardsatz, wenn ich auch nur ein Wort von mir gegeben hab. Ich habs überlebt.)

“Di Tir konn a nix drfiar” –> “Die Tür hat keine Schuld daran”
(Wütendes Kind schlägt unschuldige Tür zu. Sich überlegen fühlende Autoritätsperson weiß nicht, wann es besser ist, nich noch eins drauf zulegen…)

“Und sou willsch du giahn?” –> “Und so willst du gehen/aus dem Haus?”
(tja… bevor man aus dem Haus gehen darf, gibts immer die Qualitätskontrolle – die man nie besteht. Aber man geht trotzdem…)

“Leig dr a Jack/ an Polover un…” analog zu “Nimm eppes worms zum unleign mit!” –> “Zieh eine Jacke/einen Pullover an…” –> “Nimm etwas Warmes zum anziehen mit!”
(Zusatz zur Qualitätskontrolle)

“I sog dr, a sou bisch morgen holt verkiahlt” –> “Ich sag dir, morgen bist du dann krank/verkühlt”
(Wenn man den Zusatz nicht befolgt, bzw., wenn man ein barfuß durchs Haus rennt bzw. ein T-Shirt trägt bzw. aus der Dusche kommt…)

“Willsch nit in Tata a bisi helfen giahn?” –> “Willst du nicht deinen Vater ein bisschen helfen gehen?”
(Versucht mal bei mir zuhause fünf Minuten fern zu schauen/mit dem Computer zu spielen/ein Buch zu lesen…)

“Hosch du eigentlich nia eppes zu lernen” –> “Musst du denn nie lernen?”
(selbe Situation wie oben…)

“Seit wenn mogschn du Gnocchi nimmer?!?” –> “Seit wann magst du denn keine Gnocchi mehr?”
(Nie Mami! Nie! Ich mochte Gnocchi noch nie! Ich bin die mit den Spinatspazeln!)

“Wiedr a Bett laar…” –> “Wieder ein Bett leer…”
(Falls ihr Samstags oder Sonntags oder auch irgendwann mal in den Ferien einen älteren Herrn mit Schnauzer und einem Bauchumfang wie der Weihnachtsmann trefft… das ist mein Onkel…)

“Frog in Tata!” –> “Frag deinen Vater!”
(Meine Mutter, damals, als ich sie noch fragen musste, ob ich ausgehen darf…)

“Hosch di Mama schun gfrog?” – “Jo” – “Wos hot se gsog?” – “Dass i di frogen soll…” – “Du, wenn du willsch… kimmsch holt nit zu spat…” –> “Hast du deine Mutter schon gefragt?” – “Ja” – “Was hat sie gesagt?” – “Dass ich dich fragen soll…” – “Tja, wenn du meinst… komm halt nicht zu spät…”
(Mein Vater, zu dem mich meine Mutter damals immer geschickt hatte. Sie hat mich aber nur zu ihm geschickt, wenn sie nichts dagegen hatte…)

“Wiaviel Geld hoschn du?” –> “Wieviel Geld hast du denn?”
(Seit ich nicht mehr frage, ob ich ausgehen darf…)

“Bisch dr sicher? I woas nit… I fohr iaz seit zwoa Johr mit den Auto, obr dasses an fünften Gong hott…” –> “Bist du dir sicher? Ich weiß nicht… Ich fahr jetzt seit zwei Jahren mit diesem Wagen, aber dass er einen fünften Gang hat…”
(meine Mami… es ist fast eine Qual, neben ihr auf dem Beifahrersitz zu sitzen, das Auto heulen zu hören und nicht schalten zu dürfen. Da mutier ich immer zum schrecklichsten Beifahrer der Welt )

“I konn dei Bumm-Bumm-Musig nit hearn…” –> “Ich kann diese Bumm-Bumm-Bumm-Musik nicht hören…”
(Egal welche Musik lief… heute haben wir den Hubert zum Autobeschaller erkoren, der ist allgemein akzeptiert…)

“Essen giahn!!” (halbe Minute später:) “Kemmpses indrgaling?!?” –> “Essen gehen!” – “Kommt ihr bald ein mal?”
(Bei mir zuhause um fünf nach halb eins…)

“Unkennen tuat mon dr ober schun gor nit, dass schun - variable Zahl von sechs bis vierundzwanzig einsetzen (schlimme Sache – 24 ist noch keiner von uns) – bisch” –> “Man merkt dir wirklich nicht an dass du – variable Zahl von sechs bis vierundzwanzig einsetzen bist”
(immer, wenn ich oder eines meiner Geschwister sich nicht “altersadäquat” verhält…)

“…Ach, Madl… oftramol” (meine in der trotzig-pubertären Phase erarbeitete Antwort: “Nit lei oftramol, Mama, ollm!” kann sie immer noch zum Wahnsinn treiben…) –> “…Ach Mädchen… manchmal” – “Nicht nur manchmal, Mama, immer!”
(oft…)

“I geah schnell an Sprung in die Stodt/zum Gärtner/afn Friedhouf…” –> “Ich mach schnell einen Sprung in die Stadt/zum Gärtner/ auf den Friedhof…”
(ganz recht, meine Oma ist neunundsiebzig, aber springen tut sie immer noch. Achja, der Satz kommt, seit ich den Führerschein habe, vorwiegend an Regentagen oder im Winter… bei mir zu Hause steht man nicht so auf Direktheit…)

“Schworztee mocht schiache Zenn!!” –> “Schwarztee mach hässliche Zähne!!”
(mein Lieblingsgetränk will man mir auch vermiesen)

“Hosch ognummen/zuagnummen?” –> “Hast du abgenommen/zugenommen?”
(meine Mutter: Ihre Wahrnehmung funktioniert je nach Lust und Laune)

“Und, wia wor di Prüfung, dr Tescht??” – egal was ich antworte: “Hasch schun a a bisl meahr tian gekennt” –> “Und wie war die Prüfung, der Test??” –> “Hättest schon ein bisschen mehr lernen können”
(immer wenn obiges anfiel…, am liebsten beim Mittagessen, wenn ich grad zwei Minuten im Haus war und versucht habe, den letzten Rest Salat trotz Unmengen an Essig in meinem Mund zu behalten…)

“Du erzeihlsch nia eppes! I woas jo gor nix meahr vo dir…” –> “Du erzählst mir nie etwas! Ich weiß ja gar nichts mehr von dir…”
(Meine Mami… wenn sie Lust hatte, mich beim Lesen zu stören…)

“Wos tuaschn in gonzn Tog mit der Troppel?” –> “Was machst du denn den ganzen Tag mit dieser – ähm – boh, weiß nicht, wie ich das passend übersetzen soll – …?”
(egal ob Fernseher oder Computer oder zu alten Zeiten mal der Gameboy… )

“Willsch nit a longsom schlofn giahn?” –> “Willst du nicht auch langsam ins Bett?”"
(abends, um halb zehn)

“I will nit, dass du dr in dr Kuchl di Händ owasch…” –> “Ich möchte nicht, dass du dir in der Küche die Hände wäschst…”
(O-Ton Mami)

“Na! Und i hon grod in Boudn gwischt!” –> “Nein! Der Boden ist frisch gewischt!”
(Böses, böses Kind versucht sich durch Bewegen der Füße fortzubewegen! Böses Kind!)

“Du kimmsch zu spat” –> “Du kommst zu spät”
(dreizehn Jahre lang jeden morgen den selben Satz zu hören, prägt einen fürs Leben… Was glaubt ihr, warum ich ständig zu spät komme??)

“Moch in Vorhong zua!” –>”Mach den Vorhang zu!”
(Ist eine komplizierte Angelegenheit – der Vorhang darf nämlich erst dann zugezogen werden, wenn meine Mutter dieses Gefühl hat… Dieses Gefühl hat sie leider aber immer zu anderen Uhrzeiten, und will man eine nette Tochter sein, und den Vorhang zuziehen, bevor sie dieses Gefühl hat… wie gesagt, komplizierte Sache…)

“Ruth… och, Chrischtl…, gibsch mr bitte mol…” –> “Ruth… och, Christl…, gibst du mir bitte mal…”
(Mein Name ist weder Ruth noch Christl, wohl aber sind das die Namen ihrer beiden kleinen Schwestern… Am schlimmsten ist es, wenn sie alle Namen durch hat, aber ihr nur der des gerade anwesenden Nachkommens nicht einfällt…)

und noch ein Highlight:

“Dr Willi isch in Boch gfolln!” – freches Kind antwortet völlig respektlos – “Und dr Mogi hotn widr auserghoult!” –> “Der Willi(ch) ist in den Bach gefallen” – “Und der Magi(ch) hat ihn wieder rausgeholt!”
(immer, wenn das freche Kind irgendetwas wollte/will (!), das im Kopf der Mutter jetzt total keinen Platz findet…

Ach, 2004, damals, als ich noch im 10m²-Heimzimmer mit den Ameisen wohnte, sehr sehr sehr jung war und die nächste große Entscheidung so weit in der Ferne lag. Ach.

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