underdressed and overaged (Festivalfragment)
Aus den Untiefen meines Archivs:
[...] das Salzkammergut ist da, wo es anfängt zu regnen, und einfach nicht mehr aufhört. Menschen, die barfuß durch den Schlamm laufen, sich einen Karton um den Hals hängen und “Mama, i brauch kane Regenstiefel” draufschreiben. Menschen, Kinder, Jugendliche. Menschen, die barfuß durch den Regen/Schlamm/Matsch/Tag stampfen/und nicht krank werden/denn die Liebe/die Liebe und der Alkohol/ überhaupt die Euphorie. Schiefe Blicke. Tiroler, die sprechen wie ihre eigene Parodie, alles pärig finden und eh schon seit fünf Uhr früh trinken. Fremdschämen. Dann doch: Plastiksack im Schuh/Plastiksack statt Schuh/Plastik um das Hosenbein/Plastik statt Hose/aber auch barfuß und mit hotpants. Es regnet. Und jeder Schritt ist statement. Die Massen tragen den Gratisregenschutz. Die rote/rosa/weiße Festivaluniform. Regenstiefel in bunt in rosa in grün in gelb oder die Matschversion. Sich mit Freunden in den Schlamm schmeißen/in der Riesenlacke, in der das eigene Zelt versinkt, eine Angel auswerfen/die Luftma [...]
Der deprimierendste Moment an “Ich habe mein Handy im Zug liegenlassen und werde es nie mehr wieder bekommen” war nicht jener, in dem ich eben dieses realisiert hatte, auch nicht der, als ich zum zweiten Mal mit dem Zugführer telefonieren musste, weil ich beim ersten Mal der Meinung war, ich hätte ein Sony Ericsson, dabei war es doch ein Nokia (das war ehrlich gesagt, doch sehr nett), auch nicht der, als ich weggedrückt wurde, als ich mich selbst anrief – sondern jener Augenblick, in dem mir das Onlineformular bei der Registrierung für eine neue SIM-Karte meinen Namen absprach.
Von Menschen bin ich das gewohnt, die halten kurz inne, schütteln den Kopf und sagen “häh?”, “wie bitte?”, “im Ernst?” und “wie heißt du dann wirklich?”, aber Datenbanken, Datenbanken!
Ich bin ja fast auf den Tod beleidigt.
etwas arg spezifisches / Liebe und Rechtschreibung / Die Zeit ohne einen Fallschirm / Nase popeln und Hände verschränken / zu spät kommen, warten, und die Arme über Kreuz / leere Bierflaschen und Kühlschrankmagnete / einen goldenen Fußball im Bett / Faulenzer vs. Geodreieck / Selbstbeweihräucherung in Zeiten des Zölibats / Rechtsmittel, und “friedhofsblonde Haare” / Pornobrillen und Mahngebühren / Umleitungen vs. Garnichthingehen / Freundschaft ohne Toleranz / Respekt mit Auslosen / Zäune gegen den Fortschritt / wenn das Studieren leicht wär, hätten wir alle einen Hochschulabschluss (vs: fast alle) / Zeit zerfließt / entartete Kommunikation / Kontext, Recherche & Staubpartikel / am Riemen reimen / eine Schwalbe macht noch keinen Lack kaputt / Vertrauen verschätzen / überschätzen / WIE BITTE? / nachts sind alle Ergüsse großartig / Geistes / goldene Bullen und Milchkühe / Käpt’n Blaubeer aß ein Eis / Plan und Phantasie / spontan weinen und: Geliebte Gefühlsduseleien / Zahnbürsten für Lehrmaterialen / “Ich sage ja immer, die schießen so lange hin und her, bis einem was passiert.” / Geständnis heucheln und mit Gerste spielen / aufgeben vs. üben / Haus am Strand oder Hotel am Meer? // Im Grunde überschätzt Du Dich selbst.
2 commentsParis, novembernullacht
Individualtourismus galore. Die Stadt trägt einen grauen Schleier vor sich her und im Louvre geht die Zeit verloren. All diese klischeeromantischen Orte aus Liebesfilmen und Kleinmädchenträumen. Ein nervös blinkender Eiffelturm. Auf Französisch angesprochen worden, und unabsichtlich Italienisch geantwortet. Einmal sogar ein “sorry, I don’t speak English” vor mich hingemurmelt. Im Disney Shop große Augen, und am liebsten ein Buzz Lightyear-Pyjama gekauft. Englischsprechende Franzosen.
Die Abteile in den RER-Zügen sind mannerfarben. Der weißeste Christkindlmarkt der Welt und das Sozialleben von Erasmusstudenten.
In der Metro sitzen und schreiben.
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