i be gan.

Vorm Haus

Die Krokusse blühen schon seit Anfang Februar, gelb und lila. Ein paar Gänseblümchen haben den Winter an die Pfosten geduckt überstanden.

Die Gänseblümchen hat mein Großvater hierher verpflanzt, hat mir meine Oma mal erzählt.

Gänseblümchen vorm Haus können nichts Schlechtes bringen.

Ich schlage das Fotoalbum auf, und auf dem Bild sitze ich, sechs Jahre alt, pausbäckig, aus den Zahnlücken lachend und mit blauen Gummistiefeln inmitten der Gänseblümchen, auf dem Kopf ein Kranz aus Löwenzahnblüten. Mit Löwenzahnstängeln kann man großartige Wasserrohre bauen.

Meine Oma trägt geflügelte Baumsamen im Haar.

„Wohl wieder irgendwo rumgestiegen“, meint mein Onkel.

Zehntausend kleine Gänseblümchen blühen in meinem Kopf, zwischendurch brechen gelb und lila ein paar Krokusse durch.

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Essstöckchen. Ja, der ist schlecht.

Ein Stöckchen für mich! Und keine Sorge Mek, ich hasse Stöckchen nicht. Im Gegenteil, ich freu mich, immerhin ist ein Stöckchen für Blogger sowas wie die Tonsur für Franziskaner, oder das Arschgeweih und der weiße Lidstrich für Tussen,ähm, sowas… Man gehört dazu.

Vorab (ja, tatsächlich, vorab) muss ich zugeben, dass ich kein wirklich einheitliches Essverhalten habe.Unterm Jahr in Wien, in meiner unserer wunderbaren WG vs. zu Hause, in Südtirol, bei Mama und Tata, Oma, den Brüdern und der kleinen Schwester, und nicht zu vergessen den beiden Onkeln. Großfamilienleben halt.

1) Kannst du kochen? Wenn ja, kochst Du gerne?

Ich koche gerne. Kochen macht Spaß. Aber ob ich es kann…

2) Wann isst bei Euch die ganze Familie gemeinsam?

In Wien esse ich meistens alleine, zu Hause (ok, das wird jetzt kompliziert) essen wir zu Mittag alle gemeinsam in der großen Küche (also… alle) bekocht von meiner Oma, abends essen “wir” in “unserer” Küche, bekocht von meiner Mutter. Sonntags tanzt die ganze Familie an, und wir essen wieder gemeinsam bei Oma.

3) Was isst Du zum Frühstück?

Zu Schulzeiten habe ich es nie geschafft zu frühstücken, seit ich auf der Uni bin (yep, das sind meine zwei Lebensabschnitte. Ich bin noch jung) versuche ich mir den Vormittag so gut es geht freizuhalten, auf dass ich aufwachen, meinen Magen an das Morgenlicht gewöhnen und etwas später dann mit Schwarztee oder Kaffee meine bookmarks abklappern kann.

4) Wann, wo und wie esst ihr in der Woche?

Ich esse unregelmäßig. Wenn ich Zeit habe. Wenn ich Hunger habe. Wenn ich etwas zu essen im Haus habe. Wenn ich Lust habe.
(Das sind seltsame Fragen. Ist das eine Art “Zeitkapsel”, auf dass Sozialforscher in fünfzig Jahren unser Essverhalten analysieren können? Oder ist das eine verkleidete Umfrage mit politisch zweifelhaften Hintergrund, wie heute, als die Meinungsforscher im Auftrag der Stadt Wien plötzlich HC-Strache Fanartikel (”I’m a fan of the HC-man” – es gruselt mich!) verschenkten??)

5) Wie oft geht ihr ins Restaurant?

Ich bin Studentin, wenn ich mal irgendwo essen gehe, nennt man das in den allerseltensten Fällen “Restaurant”.

6) Wie oft bestellt ihr Euch was?

Ich bestelle nicht, ich nehme mit. Ich liebe tekaway sushi für ihren gebratenen Reis. Und auch für ihren Namen. Die Mitbewohnerin sagt, das sushi sei auch nicht schlecht. Außerdem gibts da immer ganz nette Glückskekse zu.

7) Zu 5 und 6: Wenn es keine finanziellen Hindernisse gäbe, würdet ihr das gerne öfters tun?

Wenn es keine finanzielle Hindernisse gäbe, würde ich viele Dinger öfter machen. Oder haben.

8) Gibt es bei Euch so was wie “Standardgerichte”, die regelmäßig auf den Tisch kommen?

Nudel mit Mamasugo. Mamasugo ist der sugo, den Mamas liebevoll abgekocht, in handliche Gläser abgefüllt und auf obskuren Wegen in die große böse Stadt zum armen verhungernden Kind geschickt haben. Mamasugo ist wunderbar (hei, wir studieren in Wien, wir sind keine Wäscheheimbringer, und wir haben auch keine eingefrorenen Knödel und auch keine vorgebackenen Wiener Schnitzel. Wir haben nur Mamasugo.)
Ansonsten noch Spinatspazeln, und risotto. Reis mit irgendwas. Toast. Brot mit irgendwas. Gedünstete Zucchini mit irgendwas. Griessuppe. Kaminwurzen.

Zuhause ist das anders. Oma hat ihre Standardgerichte, die sie alle wunderbar macht, aber wenn es jeden Freitag Wuchteln gibt, dann sind sie irgendwanneinmal nicht mehr so toll. Oder jeden Samstag spaghetti bolognese. Oder Fleischkrapflen. Oder Erdäpfelnudel. Oder Spazeln. Oder Schmarrn. Oder Braten. Oder Griessuppe.

9) Hast Du schon mal für mehr als 6 Personen gekocht?

Ich habe mit anderen für mehr als sechs Personen gekocht? Und einmal, einmal durfte ich bei Oma den Thunfischsugo machen. Mit frischen Tomaten. Und ein anderes Mal durfte ich für die ganze Familie kochen. Man hat zwar zuerst an den Essiggurken gezweifelt, aber…

10) Kochst du jeden Tag?

Ja. Kalt essen ist langweilig, besonders im Winter.

11) Hast Du schon mal ein Rezept aus dem Kochblog ausprobiert?

Nein, ich koche nach So kocht Südtirol. Auch eines dieser Dinge, die jede Mama dem Kind in die große böse fremde Stadt mitgibt. Ich glaube, ich war noch in keiner Südtiroler Studenten-Wohnung, in der das Buch nicht vorhanden war. Das spin-off So blüht Südtirol war da schon eher seltsam.

12) Wer kocht bei Euch häufiger?

In Wien ich, zu Hause Oma.

13) Und wer kann besser kochen?

Oma!

14) Gibt es schon mal Streit ums Essen?

Ich weiß noch, die Mitbewohnerin und ich, wir haben mal über die adäquate Dicke von Fritatten diskutiert. Und was die richtige Schichtung für eine Lasagne ist. Aber nachdem ich Zeugin einer Kochdiskussion wurde, in der die Bemerkung “Nein, wir müssen nach dem Ampelprinzip kochen!” fiel, nehme ich mich bei solchen Dinge etwas zurück.

15) Kochst du heute völlig anders, als Deine Mutter /Deine Eltern?

Ich habe keine Riesendose Schmalz in der Speis stehen, ich habe keine Speis, ich habe keinen Holzherd, ich koche viel seltener Fleisch, und vor allem koche (und esse) ich weniger.

16) Wenn ja, isst Du trotzdem gerne bei Deinen Eltern?

Ja.

17) Bist Du Vegetarier oder könntest Du Dir vorstellen vegetarisch zu leben?

Ich bin keine Vegetarierin, und bei der Speisekarte mit der ich aufgewachsen bin, wäre ich dabei verhungert. Ich brauche Fleisch nicht unbedingt, aber ab und an mag ich es ganz gerne.

18) Was würdest Du gerne mal ausprobieren, an was Du Dich bisher nicht rangewagt hast?

Wuchteln. Erdäpfelnudel. Muas. All diese geheimnisvollen Dinge, die meine Oma immer aus dem Blusenärmel schüttelt. Und wenn ich sie dann frage, ob sie mir das Rezept geben kann, dann sagt sie immer “jo, nimmsch a Mehl, a poor Goggelen und an Butter, des isch eigentlich nit so a Orbet”.
Gefüllte Peperoni. Irgendsowas wie einen “Falschen Hasen”.

19) Kochst Du lieber oder findest Du Backen spannender?

Naja. Backen ist halt backen. Und weil ich die Karotten für den Karottenkuchen händisch zerkleinern und den Eischnee und die Sahne mit der Hand schlagen muss, ist das immer eher sehr aufwändig.

20) Was war die größte Misere, die Du in der Küche angerichtet hast?

Ich habe bisher fast alles gegessen. Nachsalzen geht immer. Aber anderen vorsetzen?

21) Was essen Deine Kinder am liebsten?

Ähm, ich habe keine Kinder.

22) Was mögen Deine Kinder überhaupt nicht?

Ich war Puristin. Ich habe jahrelang Nudel nur ohne gar nichts gegessen. Weiße Nudel. Der Kellner musste die Nudel abschwänzen, weil der Koch Schnittlauch draufgegeben hatte. Ohne gar nichts.
Ich hoffe meine Kinder werden nicht so.

23) Was magst Du überhaupt nicht?

Tortellini. Graupensuppe. Leberknödel. Alles mit Leber. Alles mit Blut. Gefüllte Gurken. Gorgonzola. Zucchiniauflauf. Bääh.

_______

Ähm ja, das ist jetzt eher lang geworden. Mögen die Sozialhistoriker ihre Freude damit haben.

Jetzt kommt der schwere Teil. Stöckchen wollen weitergegeben werden. Hilfe.
Val mag zwar nicht, aber die muss gerade lernen, da ist sie für jede Ablenkung dankbar. (Vielleicht wenn ich ihr verspreche, mich für sie nächste Woche an Wuchteln zu versuchen? Und meine Festplatte dabei ist?) Drüben bei Davus hat auch wohl keiner Lust, beim letzten Mal wurde schließlich was versprochen. Gabi hatte auch keine Freude. Argh. Aber nachdem tibits plötzlich wieder lebt, vielleicht mag die ja.

Will irgendwer mein Stöckchen haben?

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ja

“Alles ist anders, und keiner hats gemerkt.”

Der Taxifahrer letzte Nacht hat gewartet, bis ich im Haus war.

Ich kann meine Haare wieder zusammenbinden.

Und meinem Bruder geht es halbwegs gut.

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Korkender Rotwein.

Ich habe eine Mail bekommen, mit der Frage „KOMMST DU??!!“ [ich habe die Tatsache ignoriert, dass ich weg war, nicht nur hier, sondern auch dort, aber dort wohl mehr vermisst, während hier ganze sechs Leute die Stellung gehalten haben, die mich alle wohl persönlich kennen, pflichtbewusst, und eben bei den bookmarks, und von denen eine letzte Woche, nach diesem "Zwei Pärchen und Gan"-Abend zu mir meinte „nun, fangen wir gemeinsam wieder zu bloggen an?“ (und sie hat), war wohl, öffentlichkeitsmäßig gesehen recht untaktisch die Aktion, zuerst ganz viel PUBLICITY, ganz viele Clicks, weil im Datum und so – wobei ich ja noch immer nicht dazu gekommen bin, endlich mal in der gedruckten Ausgabe nachzuschauen, ob dieses seltsame "BEST OF BLOGGING" denn auch tatsächlich im Druck erscheint, - und dann nichts mehr, Funkstille, Totenstille, und als „Abschied“ dann auch it’s the end of the world as we know it, und vorher diese seltsamen verzweifelten sporadischen Einträge… hat sich denn keiner Sorgen gemacht??)] ich habe also diese Mail bekommen, großgeschrieben, mit den zwei Fragezeichen und den zwei Rufezeichen, und ich werde dann wohl kommen.
Und ich werde Wein importieren, in meinem Koffer. Erstens muss ich die heimische Wirtschaft unterstützen (denn hei, Studienbeihilfe gibt’s nicht für ein Bauernkind, nicht mal Fahrtspesenrückerstattung, “Der soll doch einfach mal eine Wiese verkaufen”, also kauft Südtiroler Wein, und kauft Südtiroler Äpfel, sonst wird das nichts mit dem MagMag…) und zweitens ist der sowieso viel besser als der billige Weißwein ausm Billa, als ein coppiere oder sonstwas, und drittens hab ich ihn mit Blut und Schweiß und Liebe gewimmt (Sonntag vormittag kurz vorm Umkippen mit einer blutüberströmten Hand im Raitl Acker zu sitzen ist eine sehr interessante Erfahrung).
Jedenfalls, und jedenfalls. Ich komme dann wohl.
Das ist der Wein.

Es tut gut, dieses “KOMMST DU??!!”.

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