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Schweigen und Zugfahren, und ein Leben in vintage: Wegwerfkameras und Schreiben mit der Hand. Sowieso eine allgemein mittelalterliche Lebenseinstellung, sowohl die zum Bräunen als auch die zur Wissenschaft, nein, zur “Wissenschaft”; an einem harten und zu hohen Holztisch im großen skriptorium der Universität über Bücher gebeugt, Notizen ins schwarze Heftchen, C (auf Seite hundertundsiebenundsechzig, Item 32 auf der Literaturliste) krakeln.
Nachts in meinen Träumen sehe ich eine Zukunft vor mir, in der Bibliotheken verbrannt/Datenbanken dem Erdboden gleichgemacht/unter Wasser gesetzt/jegliche Wissenspeicher das zweifach unglückliche Schicksal der Bibliotheca Palatina erlitten
["Was geschah mit diesen vielen Bibliotheken? Einige brannten bald nach ihrer Einrichtung wieader ab (so die Bibliotheca Palatina das Augustus und die Bibliothek in der Porticus Octiviae), wurden wieder aufgebaut (die Bibliotheca Palatina) und brannten wieder ab (die Bibliotheca Palatina)."
aus: Jochum, Uwe: Kleine Bibliotheksgeschichte. Stuttgart: 2007]
- und alles was den PhilologInnen und HistorikerInnen und KommunikationswissenschaftlerInnen der Zukunft geblieben sein wird, sind meine dahingeworfenen Notizen, am Rande der Unleserlichkeit, voller Abkürzungen, Pfeile, Verkürzungen und -fälschungen und selektiv geprägt, doch die Inhaltsverzeichnisse sind nachvollziehbar. Wie sie dann in ihren engen Büros über Aktenberge ebenfalls gebeugt, eine digitale Reproduktion von Heft B/S. 120 vor sich und jubeln über das indirekte Schillerzitat bei Claus Pias, denn Schiller wird nur mehr ein Phantom gewesen sein, und in der Fachpresse werden Artikel über die neuesten Fortschritte in der Erforschung des BS/3-Bestandes, die einzige Quelle für Literatur vor 2150, triumphierend und große Fortschritte, auf den Tagungen diskutieren/streiten/ereifern sich die Alten, die lesen und niederschreiben und weiterführen gegen die Jungen, die sich emanzipieren wollen und von der Chance von 2150 sprechen, es fließt Blut und Schweiß und Kühlflüssigkeit, eine Revolte – und niemand wird sich darum kümmern und sich interessieren, weil es sowieso.
2 commentsSymbolbild: Wien
Postkartenverkaufsautomaten (!) in einer Kirche.
Himmel und Hölle.
In der Mitte die Reflektion des Glasfensters, die fast aussieht wie ein Engel.
Ja. Deswegen mag ich Wien.
6 commentsendseindenken
Wegtrinken sollte man sich. Den Geschmack ersticken, so dass es nur mehr brennt, oder eben nicht brennt, und dann mit Wasserbauch/aufgedunsen und/oder – je nach Veranlagung – schmalbrüstig und spitzrippig umherwanken, auf dass die Anderen erschauern beim Anblick und Platz machen auf dem Weg in die Gosse/den Straßengraben/die Psychiatrie.
Wegessen sollte man sich. Die Hochgenüsse aufnehmen, Fasanenbrust, Nussrouladen, Schokoladenmousse, feinste Schaumsuppen und/oder kandierte Veilchen. Froschschenkel, Schnecken und Wild nach Belieben. Und dann rollen und rund sein und feist und weich, und Hautfalten in denen Bergseeen versinken könnten, auf dass den Anderen der Mund offen stehen bleibt, sie ohen und ahen, mit den Fingern zeigen und einander zuzischen, aber nicht aus den Weg müssen, denn weiter kommt man ja nicht mehr.
Wegdenken sollte man sich, die Augen zu/offen, Insichsein und Außersichfühlen – aber nicht sehen, nicht gehen, kein Platz mehr, der geräumt, kein Weg mehr, der gemacht werden will, nur einer, der gedacht werden will.
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