Begegnung.
- Du erinnerst Dich nicht mehr?
- Theo?
- Thomas.
- Thomas Forstinger. Ja? Ich habe Dir nur einen falschen Vornamen verpasst.
- Ja. Du erinnerst Dich?
- Ja. Der Mann, den ich immer nur abends in irgendwelchen dunklen Seitengassen getroffen habe, den Arm um eine andere Frau.
- So kam es Dir vor?
- So kam es mir vor.
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Schweigen und Zugfahren, und ein Leben in vintage: Wegwerfkameras und Schreiben mit der Hand. Sowieso eine allgemein mittelalterliche Lebenseinstellung, sowohl die zum Bräunen als auch die zur Wissenschaft, nein, zur “Wissenschaft”; an einem harten und zu hohen Holztisch im großen skriptorium der Universität über Bücher gebeugt, Notizen ins schwarze Heftchen, C (auf Seite hundertundsiebenundsechzig, Item 32 auf der Literaturliste) krakeln.
Nachts in meinen Träumen sehe ich eine Zukunft vor mir, in der Bibliotheken verbrannt/Datenbanken dem Erdboden gleichgemacht/unter Wasser gesetzt/jegliche Wissenspeicher das zweifach unglückliche Schicksal der Bibliotheca Palatina erlitten
["Was geschah mit diesen vielen Bibliotheken? Einige brannten bald nach ihrer Einrichtung wieader ab (so die Bibliotheca Palatina das Augustus und die Bibliothek in der Porticus Octiviae), wurden wieder aufgebaut (die Bibliotheca Palatina) und brannten wieder ab (die Bibliotheca Palatina)."
aus: Jochum, Uwe: Kleine Bibliotheksgeschichte. Stuttgart: 2007]
- und alles was den PhilologInnen und HistorikerInnen und KommunikationswissenschaftlerInnen der Zukunft geblieben sein wird, sind meine dahingeworfenen Notizen, am Rande der Unleserlichkeit, voller Abkürzungen, Pfeile, Verkürzungen und -fälschungen und selektiv geprägt, doch die Inhaltsverzeichnisse sind nachvollziehbar. Wie sie dann in ihren engen Büros über Aktenberge ebenfalls gebeugt, eine digitale Reproduktion von Heft B/S. 120 vor sich und jubeln über das indirekte Schillerzitat bei Claus Pias, denn Schiller wird nur mehr ein Phantom gewesen sein, und in der Fachpresse werden Artikel über die neuesten Fortschritte in der Erforschung des BS/3-Bestandes, die einzige Quelle für Literatur vor 2150, triumphierend und große Fortschritte, auf den Tagungen diskutieren/streiten/ereifern sich die Alten, die lesen und niederschreiben und weiterführen gegen die Jungen, die sich emanzipieren wollen und von der Chance von 2150 sprechen, es fließt Blut und Schweiß und Kühlflüssigkeit, eine Revolte – und niemand wird sich darum kümmern und sich interessieren, weil es sowieso.
2 commentsÄren enden vs. Ähren ernten / an Resten zehren vs. Zukünftiges begehren oder Idole verehren? / Ideen verkosten und dann langsam verrosten / Schnelle Liebe, schnelles Glück, oder doch lieber Kunst für die Ewigkeit? / Apfelstrudel mit Spinatsaft / oder umgekehrt? / Ode an die Oderkehre / Opium fürs Volk oder Opfer für Vollwert / ums Herz zereißen und Lungen zerfleischen (ja? nein?) / Strichpunkt oder Rufezeichen? / auf den Strich vs. auf den Punkt / interne Expertisen, externe Markisen und makellose Inspizienten / Zahlenlehre und leere Zahnpasta/ Rabauken ohne bauz / Geborgene Schätze und gegorene Liebschaften / Salz unter den Füßen und Pfeffer in den Ohren / Anführungszeichen oder kursiv setzen? / ist das ein Leben? / du bist hart im Geben // Alles für das Ego nichts für die Kunst. /
(Ich sehe ja nur ein großes Fragezeichen vor mir, und weiß noch nicht einmal, mit welchem Finger den Punkt machen soll.)
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Aus den Untiefen meines Archivs:
[...] das Salzkammergut ist da, wo es anfängt zu regnen, und einfach nicht mehr aufhört. Menschen, die barfuß durch den Schlamm laufen, sich einen Karton um den Hals hängen und “Mama, i brauch kane Regenstiefel” draufschreiben. Menschen, Kinder, Jugendliche. Menschen, die barfuß durch den Regen/Schlamm/Matsch/Tag stampfen/und nicht krank werden/denn die Liebe/die Liebe und der Alkohol/ überhaupt die Euphorie. Schiefe Blicke. Tiroler, die sprechen wie ihre eigene Parodie, alles pärig finden und eh schon seit fünf Uhr früh trinken. Fremdschämen. Dann doch: Plastiksack im Schuh/Plastiksack statt Schuh/Plastik um das Hosenbein/Plastik statt Hose/aber auch barfuß und mit hotpants. Es regnet. Und jeder Schritt ist statement. Die Massen tragen den Gratisregenschutz. Die rote/rosa/weiße Festivaluniform. Regenstiefel in bunt in rosa in grün in gelb oder die Matschversion. Sich mit Freunden in den Schlamm schmeißen/in der Riesenlacke, in der das eigene Zelt versinkt, eine Angel auswerfen/die Luftma [...]

