i be gan.

Caro Gennaro,

Ich weiß, du hast Dich gestern sehr gefreut, all deine Mühen haben sich gelohnt, und sowieso, Du hattest eine ungemein erfolgreiche Saison, aber als Du ihn heran gewunken hast, und ihm strahlend den Pokal in die Hand gedrückt hast,- ich weiß, er ist Dein Boss und alles, und Du erhoffst Dir vielleicht eine Gehaltserhöhung, und er hat die Millionen, außerdem hält er die Fahne der kleinen Männer hoch, immerhin, etwas hat auch er erreicht, – aber gestern, als Du ihn angelächelt hast, und ihn geküsst hast, und ihn auf Deine Schulter und die Schultern Deiner Mitspieler gehoben hast, da hast Du alle meine Sympathien verspielt, und Du hattest einige, das muss ich Dir sagen, denn irgendwie mag ich kleine zornige behaarte Männer, das muss ich gestehen, und ich mag ja auch den Dir nicht unähnlichen Wolverine (obwohl, seit ich letztens mit meinen schwulen Freunden diesen Film mit der ästhetisch durchs Bild schwebenden Blase und den explodierenden Stiefmütterchen gesehen habe, sehe ich Hugh Jackman nur mehr als einen kahlen, singenden Hare Krishna-Jünger vor mir, und das ist schade, sehr schade.), aber was ich eigentlich sagen wollte, lieber Gennaro, ich mag Dich nicht mehr. Das ist alles. Ich mag Dich einfach nicht mehr.

Deine
Gan

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Darum ist Fußball besser.

Man beachte, dieser Text ward geboren um ein Uhr nachts, während die Gebär… ähm, Sinnierende frierend in ihrem Bett saß und hilflos auf einen keineAhnungwievielZoll,haltwenig-Fernseher starrte, getippt ward er etwas später, die Tippende, immer noch frierend, aber diesmal mit einem Schal um den Hals, ein wenig unter Zeitdruck, den Frau Mutter braucht den Laptop. (Meinen. Weil ihr PC im kalten Raum steht. Dort, wo das Internet ist. Dort, wo ich gerade bin. Ich will wireless. Oder zumindest ein paar Kabel durchs Haus. Den Schal nochmal um den Hals gewickelt.)
Warum Fußball besser ist.
Man beachte, dieser Text ward geschrieben von einer Frau, die sich weder für den Sieger der Champions League noch die Trainerwirren mancher Clubs erwärmen kann, dafür aber zu WM-Zeiten klare Favoriten benennt und sich freiwillig und auch alleine hundertundfünf Minuten Zeit für fünfundzwanzig Männer in kurzen Hosen nimmt.
Darum ist Fußball besser.
Man beachte, dass diese eine Frierende dennoch den Superbowl freiwillig und alleine live im ORF sah, mangels Zweikanaltonmöglichkeit des kleinenFernseherdernurAntennenhatunddeswegennurORF,ZDFunddieitalienischenSenderzur
Verfügungstellt (ich vermisse meinen SFDrs), kommentiert von Christopher C. Ryan (!).

Unter Einbeziehung all dieser Dinge, und noch anderer, unbenannter Faktoren, höre man nun die Beweislast.

Warum Fußball besser ist.

Schulterpolster sind nicht sexy.
Überhaupt: Footballspieler polstern!
Fußballspieler zeigen viel mehr Haut/Figur/Hintern.
Footballspieler haben miteinander viel mehr Körperkontakt.
Sportarten, bei denen man im Schnitt einsneunzig groß ist und hundert Kilo schwer, machen mir Angst.
Footballspieler sind Intellektuelle. Sie waren alle auf dem College. Intellektuelle, die Sport machen, verletzen sich viel öfter. Intellektuelle, die Sport machen, relativieren ihren Sport. Dann macht das Zuschauen keinen Spaß mehr.
Footballspieler sind also klüger als Fußballer. Ok, dieser Punkt spricht für Football. Aber:
Footballspieler sind viel gefügiger als Fußballer. Obwohl…eigentlich…- nein, so geht das:
Fußballer spielen intuitiv, Footballspieler halten sich an vorgegebene Taktiken.
Footballmannschaften bestehen aus mindestens vierzig Leuten. Wie schlecht sind die denn, wenn sie so viele sein müssen?
Footballmannschaften bestehen aus mindestens vierzig Leuten. Und alle brüllen.
Footballmannschaften bestehen aus mindestens vierzig Leuten. Und zwanzig
Trainern. Und hundert Betreuern. Und zwanzig Cheerleadern. Und jeder hat einen eigenen Sponsorvertrag.
Footballmannschaften bestehen aus mindestens vierzig Leuten. Wie soll man sich da einen Namen merken?
Footballspieler tragen Helme. Da sieht man ihre Frisuren nicht. (ok, Pluspunkt)
Footballspieler tragen Helme. Die haben sicher was zu verstecken.
Footballspieler tragen Helme. Wie soll man sich da ein Gesicht merken?
Fußballspieler tanzen, wenn sie ein Tor geschossen haben, Footballspieler freuen sich nicht so wirklich über Tore.
Footballspieler tragen einen Zahnschutz. Wäähh.
Gelb hat gewonnen. Gelb ist eine gräßliche Farbe.
Bei Fußballspielen treten in der Pause nicht die Rolling Stones auf. Fetter Pluspunkt. Sehr fetter Pluspunkt.

Denn darum ist Fußball besser. Wegen den Stones.

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Benni

Da hab ich diesen Blick bemerkt. So einen Blick krieg ich selten von Männern. Um nicht zu sagen nie. Da war ich kurz ein wenig geschockt. Ich hab dann einfach mal zurückgeschaut, doch keine Reaktion seinerseits, er hat mich nur weiter angesext.

benni

[Kann man das sagen? Ansexen? ...zumindest lag in dem Blick mehr Sex, als ich in den letzen Monaten hatte... ]

Vielleicht, hab ich mir irgendwann dann gedacht, ist er auch einfach nur sehr, sehr kurzsichtig. Ein chronischer Daumenlutscher. Oder jemand hat ihm gesagt, er habe da am Mundwinkel so einen Kulifleck, den er jetzt mit Daumenauflegen und Gedankenkraft verschwinden lassen will.

bennisdaumen

Der Fotograf hat wahrscheinlich gesagt “Heast Benni, iez brauch mer a Bild für die TITELSEITE, so a ganz COOLES, iaz schaust´ mal richtig SEXY!” (Der hat das sicher in Großbuchstaben gesagt. Fotografen, die solche Bilder machen, sprechen in Großbuchstaben.)

Eigentlich hab ich den Benni ja schon damals lieb gefunden. Damals, als ich noch Zeit damit verbracht habe, mir Ski-Live-Übertragungen anzusehen. Natürlich nicht unbedingt auf freiwilliger Basis, stamme ich ja aus einem klischeehaft männlich dominierten Haushalt mit nur einem Fernseher – und da blieb einem am Wochenende nicht viel anderes übrig. Außerdem fiel das für mich ja unter die Kategorie, “Zeit mit ‘meinen’ Männern verbringen”… Während also mein Onkel über die Kommentatoren wetterte, mein Vater schweigend dasaß und nur bei den Stürzen ein mitleidiges “Das hat wehgetan” ins Gespräch einwarf, meine Brüder sich mit kleinen Schlägereien unterhielten, hockte ich daneben und dachte “Eigentlich ist der Benni ja ganz lieb” (zu meiner Ehrenrettung: natürlich dachte ich auch “Der Lasse soll gewinnen!”, “Das war jetzt aber eingefädelt!”, “Alles, nur nicht wieder ein Vierfach-Sieg der Österreicher!!” oder “Mein Gott, ist das langweilig” – aber das tut hier nichts zur Sache). Der Benni hatte blaue Augen, einen Körper, den Mann als Sportler nun mal hat, und sprach ein Tirolerisch, dass der Interviewer in Spucke baden konnte. Außerdem eine frappante Ähnlichkeit mit einem gewissen Herrn, mit dem mich eine manchmal etwas seltsame Beziehung verbindet. Benni war zwar ein Pofisportler, aber er sah nicht so aus. Er war kein Maier, kein Tomba – keines dieser Sportviecher, die ich mir nicht nachmittags im Café vorstellen konnte (meine Vorstellungen waren noch sehr unschuldig, damals…). Mein Gott, er hatte immer diese süßen roten Bäckchen!

Und jetzt das. Kaum spricht einer in Großbuchstaben zu ihm, ist Benni plötzlich metro. Obwohl das, so munkelt man, eigentlich ja schon fast wieder out ist. Plötzlich werden ihm Vorspänne wie “Ein cooles Wintervorspiel in sechs Akten” angedichtet. Aber ich glaube nicht daran. Ich glaube, Benni wollte einfach nicht mehr als “der liebe Bub” gesehen werden. Benjamin Raich ist nämlich ein Mann geworden, ein echter Mann. Was schon eine Leistung ist, bei diesem Namen. Und weil das halt sein erstes Fotoshooting war, und der Fotograf irgendwie seltsam gesprochen hat, und er vorher wirklich viele Autogramme mit so einem halbkaputten Kuli geben musste, hat der Benni ein wenig komisch dreingeschaut. Das ist nicht weiter schlimm. Kann jedem mal passieren. Da mach ich mir nichts weiter draus. Ich hab mich ja auch ein bisschen verändert.

Ich hab den Benni dann unauffällig zusammengefaltet, ihn in meine Tasche gesteckt und mit nach Hause genommen. Man weiß ja nie. Vielleicht verschwindet der Fleck ja, und der Mann erwacht aus seiner Erstarrung. Und da will ich dabei sein.

Schon wegen damals.

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