Zwei Meter über dem Boden.
Schwebend. Holpernd. Hängend am Berg, der sonst nie so schräg erscheint. Schwebend. In den Wipfeln. Den Gipfeln. Die voll sind. Voller Äpfel. Die süß schmecken, viel zu süß. Voller goldgelber Äpfel. Voller Golden Delicious. Die wurmig sind. Ab und an. Die aufgepickt sind. Ab und an. Von den verfluchten Würmern. Von den verfluchten Vögeln. Die immer in die schönsten Äpfel picken. Immer. Immer.
Die Bäume am Straßenrand sind schon halb abgeklaubt. Von Passanten. Von Gästen. Die keinen Anstand besitzen. Und einfach runterreißen. Die günen Äpfel. Die unreifen Äpfel. Die goldgelben Äpfel. Und sie dann wieder wegschmeißen. Weil sie noch nicht süß genug sind. Weil sie zu süß sind. Weil sie zu groß sind. Die verfluchten Gäste. Keinen Respekt. Zwei Meter über dem Boden. Hängend im Baum.
Reminiszenz
Sie ist etwa siebzig Jahre alt, trägt ihre Haare schwarz und kurz. Der Stimme hört man die Gesangsausbildung an, früher, als sie jünger war. Sie haucht ein wenig, setzt ihre Worte mit Bedacht.
Nachher, als wir den stickigen Raum verlassen und die weißen Steinstiegen hinuntersteigen, meint sie “Darf ich fragen, aus welchem Teil Südtirols Sie kommen?”. Natürlich, sage ich, und erzähle von Meran. Ob sie Südtirol kenne, frage ich. Ach, meint sie, sie verbinde unglaublich schöne und unglaublich schreckliche Erinnerungen damit. Ihr Mann sei vor bald zwanzig Jahren dort gestorben. In Naturns. Ich nicke, das sei recht häufig. Herzinfarkt, sagte sie, am zweiten Urlaubstag. Das ungewohnte Klima. Ich nicke, wegen der ungewohnten Bewegung. Den Waalwegen. Und der Hitze im Sommer. Im Urlaub sterben – ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll. Ach, meint sie, es stimme schon, die Zeit heilt alle Wunden… bis nächste Woche. Bis nächste Woche, sage ich.
Ich kann nicht mit Menschen.
Letztens, zuhause
Last Man Standing.

