i be gan.

exkursionsbericht

drei tage quer durch ober- und niederösterreich. sie sagen, wir fahren rauf, dann runter und dann rüber und dann wieder zurück. völlig den blick aufs große ganze verloren, die welt vor den busfenstern ist eh nur schwarz und grau und nebelig. beim ersten mittagstisch verbale haue für die klischeehafte bemerkung, es sei eh alles so flach. wieder an der innerösterreichischen dialektalen zuordnung scheitern. mehr als vorarlbergerisch, tirolerisch und vielleicht dann noch das burgenländerische, mehr geht nicht. dann verlorengehen. als letzte noch zahlen, bei einer verzweifelten kassiererin, die völlig vergessen, dass man ja noch mit bancomat zahlen wollte, und zuwenig geld bekommen hatte für ihre fünfunddreißig menüs, und dann ganz erleichtert. die gruppe geht schon mal nach draußen, ich muss noch zahlen, die erste bancomatkarte geht nicht, limit überzogen, und dann halt die italienische, und es dauert ein bisschen länger, smalltalk, dann vor die tür, und dann: verloren. allein. die gruppe ist weg, da ist nur nebel und eine breite straße, und sie haben mich vergessen.

später ist es ihnen dann unglaublich peinlich, sagen sie, ein schlechtes gewissen, sagen sie, und alle kennen meinen namen und mein gesicht, und dass du uns ja nicht mehr verloren gehst. die turnlehrer entwickeln beschützerinstinkte, die archivarin, die noch schnell ihre diplomarbeit schreibt, und eine tochter in meinem alter hat, auch. die vorarlbergerin hatte mich als erste vermisst, die wiener sprechen von westlicher solidarität. in der zwischenzeit hatte ich mir den hundertwasserbrunnen dreimal angeschaut, und mit der uni wien telefoniert, denn keine handynummer von irgendwem und die sekretärin gibt sich mühe und sucht und schaut und telefoniert und smst. am ende dann wieder gefunden, und die nächsten zwei tage höre ich immer wieder, bist eh noch da?, telefonierst wieder mit der uni? und nach dem essen: ich sag jetzt nichts, aber das ist ja für dich der kritische moment, ich bleib jetzt einfach bei dir.

jetzt fangen sie an, namenslisten vorzulesen und handynummern auszutauschen.

nieder- und oberösterreichische kleinstädte, ich weiß jetzt nicht mehr, was wo lag, dreieckige stadtgrundrisse, glückliche archivare, dass ihr da von der uni wien kommt, tut gut, man muss ums budget kämpfen, und der vizebürgermeister und seine frau, die finanzstadträtin. er zeigt seine kämmerchen im obersten stock des stadtamtes, kalt ist es, die räume sind klein und im sommer heiß. wir sitzen im großen sitzungssaal, draußen hängen die porträts der bürgermeister, zwei hatten einen hitlerschnauzer, der von 36 bis 38, und der von 46 bis 50. im gang hängt ein plakat vom zivilschutz, wie denn bei atomunfällen und terroranschlägen das leben zu retten sei, abgebildet: ein flugzeug, das in ein atomkraftwerk fliegt.

die befriedigung, spätmittelalterliche und neuzeitliche schriften lesen zu können.

am nächsten tag – übernachtung im viersternehotel mit wellnessbereich und frühstücksbuffet, ein schnäppchen sagen die professoren, aha sagen wir – das gegenprogramm. geld gabs genug, weil landesausstellung, der archivar von gestern würde weinen, wenn er sowas hätte, denke ich. der professor liest mit märchenstimme einen ransmayrtext vor. die stadt ist schmuck und bunt und freundlich und abends wie ausgestorben.  die turnlehrer wundern sich über frauen, die bier trinken, und wenn man sie fragt, ob man als turnlehrer grundsätzlich sadistisch veranlagt sein muss, lachen sie. wir reden über starmania und spanisch als weltsprache und schwiegereltern und wie sich das anfühlen muss, von archivalien zerquetscht zu sterben.

in steyr mussten sie einen barocken schrank auseinanderschneider, damit man die türen öffnen kann. staub und chaos und ein mittelalterlicher innenhof, in den ich mich verliebe. die englischlehrerin – überhaupt, so viele lehramtsstudenten auf einem haufen, wir entwickeln dann später die theorie, dass alle deswegen immer so pünktlich sind, weil als lehrer magst du ja zeitpläne, und als lehrer respektierst du ja autoritäten, weil du selbst eine darstellen willst, was gabi zwei tage später nachts am gürtel auf den nachtbus wartend mit diese faschisten kommentiert – fragt die schwangere, wie denn das mit den überlebenschanchen bei frühgeburten aussieht. wir haben keine namen, wir sind nur typen.

auf den kirchturm hinaufsteigen, ganz nach oben. einen papierflieger aus lachsrosa papier runterschmeißen, der sich dreht und dreht und dann in einer dachrinne landet.

in linz steht dann ein amishbart einem amishbart gegenüber. dreißig laufkilometer archivalien, ein speicherturm, und die englischlehrerin fragt, was ein terabyte ist. in kartonen wühlen, die professoren sind ganz aufgeregt. kindsmordverhandlungen und urbare. ein steckbrief, und der gesuchte böhmische schauspieler hatte eine proportionierte nase – was auch immer das heißen mag.

der busfahrer lässt schon wieder den motor laufen, am ende kriegt er applaus, die englischlehrerin johlt.

in wien dann endlich wieder zurück in der welt, drei tage keine zeitung, keine nachrichten. die D heißt noch D und bringt mich nachhaus und ich will eigentlich nur mehr schlafen.

photo habe ich kein einziges gemacht.

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reason why

taggermund spricht wahrheit kund

(disclaimer: Dies ist ein gut gelaunter, angenehm entspannter Eintrag. Kein Weltverdruß heute, sondern Kategorie: Warum ich Wien mag. Warum ich meine Freunde mag. Also, keine Sorge.)

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PaketPostPhilosoph

Heute, als ich gerade gehen wollte, kam der Postler mit meinem Paket. Dann meinte er “Wenn alle Verabredungen so gut funktionieren würden wie unsere, dann gäbe es keine Kriege auf dieser Welt.”

Ich mag meinen Postler.

(Das war übrigens derselbe, der, als er an zwei Tagen hintereinander mir und meiner ehemaligen Mitbewohnerin ein Paket brachte, ganz glücklich sagte: “Jetzt stimmt unser Slogan endlich mal: Die Post bringt allen was!”.

Ja.)

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seufz

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